Author: chiara

  • Unser Nachwuchspreisträger Florian Schneider im Interview

    2016 Florian
    Florian Schneider mit dem Wanderpokal des Nachwuchspreises

    Auf der DDM in Heidelberg verlieh die Deutsche Debattiergesellschaft zum 13. Mal den Nachwuchspreis. Glücklicher Preisträger ist Florian Schneider von der BiTS Debating Society. Für die Achte Minute sprach Anna Markus mit dem frisch gebackenen Preisträger:

    Zunächst noch einmal alles Gute zum Nachwuchspreis!

    Vielen Dank!

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich, und ich denke, da geht es auch einigen anderen so, dich noch gar nicht richtig in der Debattierszene wahrgenommen hatte, bevor du den Nachwuchspreis gewonnen hast. Auf wie vielen Turnieren warst du bisher?

    Auf einigen. Ich war auf den Europa- und Weltmeisterschaften, ich war auf vielen internationalen Turnieren, aber in der deutschen Szene erst auf ein paar ZEIT DEBATTEN und in Köln. Ich bin noch nicht so bekannt in der Szene, weil wir uns mehr auf das Internationale fokussiert haben.

    Wie bist du denn dazu gekommen zu debattieren?

    Das war eigentlich eher Zufall. Ich bin letzten August mal ins Training gekommen, weil ich an meiner Uni eigentlich nur in den Vorlesungen saß und mir dachte, das reicht mir nicht – ich möchte mich engagieren und dann habe ich den Debattierclub gefunden und schon nach zwei oder drei Trainings hat mich Julian gefragt, ob ich nicht mit auf ein Turnier möchte, nach Rotterdam. Da ging es dann los und seitdem war ich eigentlich jeden Monat auf einem oder zwei Turnieren.

    Julian Vaterrodt scheint so etwas wie dein Mentor zu sein, ist das richtig so?

    Oh ja, auf jeden Fall! Julian musste mich eigentlich von null an erziehen und mir erklären, wie es beim Debattieren eigentlich abgeht und vor allem, was man nicht machen darf, denn vieles, von dem ich intuitiv dachte es wäre richtig, ist beim Debattieren ein No-go. Da bin ich dankbar für, denn er hat mir gezeigt, wie ich Argumente strukturiere und auch wie wir als Team zusammen eine gute Teamline aufbauen. Mittlerweile haben wir da zu einem sehr guten Rhythmus gefunden und der hat uns dann auf den großen Turnieren auch sehr weit gebracht und wir hoffen, das wird noch ein bisschen besser.

    Was habt ihr denn jetzt vor, was sind deine Ziele?

    Also wir wollen auf jeden Fall noch einmal bei den Europameisterschaften in Warschau antreten und hoffentlich noch einmal breaken, daran setzen wir alles. Generell müssen wir die Zeit, die wir noch haben, nutzen. Denn ich bin jetzt mit dem Bachelor fertig geworden und werde die Uni wechseln, aber Julian ist noch da. Von daher können wir nicht mehr lange zusammen antreten.

    Aber du denkst schon, dass du weiter debattieren wirst?

    Auf jeden Fall. Ich habe mich jetzt auch an Unis beworben, wo es große Debattierclubs gibt. An den Unis, wo es keine gibt, habe ich schon angekündigt, dass ich gerne einen gründen würde und die Unis fanden das sehr schön, deswegen denke ich mal, dass – wenn alles glatt läuft – ich auf jeden Fall weitermache.

    Dir steht ja jetzt sogar ein Turnier mehr offen: Du kannst jetzt beim Masters’ Cup teilnehmen. Denkst du, das wirst du tun?

    Ja, der ist im September, das habe ich schon gehört. Ich denke, ich habe da Zeit. Ich wüsste nicht, was mir da im Weg steht also werde ich das machen. Vor allem jetzt, wo ich daran teilnehmen darf als Preisträger. Klar, in der deutschen Szene generell würde ich gerne bleiben. Jetzt wo ich da mal reinkomme und sehe, wie familiär und schön das alles ist, würde ich gerne darin bleiben.

    Würdest du sagen, dass es einen großen Unterschied zwischen der Atmosphäre auf deutschen und internationalen Turnieren gibt?

    Auf jeden Fall, da muss ich voll zustimmen. Vor allem die Art und Weise, wie debattiert wird, ist in Deutschland teilweise sehr leidenschaftlich und OPD-geprägt – sehr stark über den Konflikt zweier Parteien, während das im britischen, also im richtigen Worlds-Style formalisierter ist. Vor allem wenn man noch andere Kulturen dabei hat, hat das auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Manche Kulturen kennen sich nicht so aus mit der direkten Konfrontation und fühlen sich dann persönlich angegriffen. Deswegen war mein Eindruck, dass vor allem auf den Worlds höflicher geredet wird, während wir uns hier auch leidenschaftlich streiten können. Ich denke auch in BPS-Runden schwappt immer ein bisschen OPD rüber.

    Wie würdest du persönlich dich denn entscheiden – bist du im Herzen eher OPDler oder BPSler?

    (lacht) Da gibt es immer einen Konflikt mit Julian, weil ich denke, ich bin OPDler. Ich denke, das würde ich sehr gut können, aber er meint, ich bin BPSler. Wir werden nächstes Jahr mal sehen, jetzt wo wieder OPD ist, ob ich recht behalte. Finde ich natürlich cool, aber in BPS macht es auch sehr viel Spaß, dass man nur aufgrund von Inhalt gewinnen kann.

    Andere Frage: Was gefällt dir denn am Debattieren besonders gut?

    Vor allem die Art und Weise wie man Probleme angeht. Nach einigen Runden fällt mir auf, dass man auf einmal Seiten von Problemen begreift, die man früher nicht gesehen hat und dann diese Seiten auch groß macht. Wenn man zum Beispiel eine Schließende Opp. ist und man denkt, man hat gar nichts mehr zu sagen, dann fällt einem ein Thema ein, was man noch gar nicht auf dem Schirm hatte und dann macht man das Thema groß. Das finde ich toll – dass man ein Thema erschließen kann und weiß, es gibt immer noch etwas anderes an dem Thema, was man beleuchten kann.

    Denkst du das verändert auch, wie du außerhalb des Debattierens argumentierst?

    Auf jeden Fall! Ich arbeite gerade in einer Beratungsfirma und da geht es auch viel um Präsentationen und darum, wie man für sich selbst argumentieren kann und da hilft dir das Debattieren ungemein. Nicht nur weil man argumentieren und strukturieren lernt, sondern weil man sich vor andere Leute hinstellen muss und selbstbewusst reden muss. Das ist auf jeden Fall ein Skill, der sehr übertragbar ist. Deswegen bin ich umso dankbarer, jetzt hier zu sein.

    Leider seid ihr jetzt nicht ins Halbfinale gebreakt, aber ihr hattet ja trotzdem ein sehr erfolgreiches Turnier. Was hat dir an dieser DDM besonders gut gefallen?

    Ich mochte die Jurierqualität dieses mal. Wir hatten, zum Beispiel mit Lukas Haffert, einige Leute mit dabei die uns wirklich toll juriert h aben. Wir haben tolles Feedback bekommen, an dem wir auch gewachsen sind. Ich mochte natürlich auch die Socials, die waren toll, aber auch einige Motions fand ich klasse. Ich fand, es war alles in allem ein super Turnier und es hat richtig viel Spaß gemacht, hier zu sein.

    Vielen Dank für das Gespräch!

  • Große Umfrage unter Alumni der Debattierclubs gestartet

    Warum bist du zum Debattierclub gekommen – und was hast du dort gelernt und erlebt? Mit diesen Ausgangsfragen beginnt die erste große Umfrage im deutschsprachigen Hochschuldebattieren: 15 Jahren nach der Gründung der ersten Debattierclubs wollen der Verband der Debattierclubs an Hochschulen und sein Alumniverein, die Deutsche Debattiergesellschaft, möglichst viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihrem Debattiererlebnis befragen. 

    “Für ein möglichst vollständiges Bild vom Debattieren wollen wir alle erreichen: Aktive und Ehemalige, Intensivtäter und Gelegenheitsteilnehmer”, sagt Philipp Stiel, der für die Deutsche Debattiergesellschaft die Umfrage mitbetreut. Deshalb bittet er alle Clubs, die Umfrage auf Facebook und über ihre E-Mail-Verteiler zu streuen, möglichst auch an die ehemaligen Mitglieder. 

    Wer sind die Menschen, die den Weg zum Debattieren gefunden haben? Warum sind sie zum Debattierclub gekommen? Was haben sie in den Clubs erlebt und was hat das Debattieren bewirkt – persönlich, beruflich und politisch? Diese Fragen stellen den Kernbestandteil der Umfrage dar: Damit wollen VDCH und DDG auch Argumente sammeln, um das Debattieren besser an Sponsoren und Förderer herantragen zu können. “Wer wir sind und was uns ausmacht” – so hatte es Elisa Schwarz, Vizepräsidentin des VDCH und Mit-Autorin der Umfrage, vor einigen Wochen bereits auf der Achten Minute zusammengefasst. 

    Logo-Umfrage-breitDie Umfrage sei aber nicht nur eine Umfrage in die Vergangenheit, so Elisa weiter, “Wir wollen auch wissen, wo sich das Debattieren hin entwickeln soll. Aus den Fragen in der Umfrage können wir Impulse für die Verbandsentwicklung ziehen. Und wir wollen auch den Debattierclubs Anregungen für ihr Clubleben oder ihre Mitgliederwerbung geben. 

    “Mit dieser Umfrage können wir uns ein besseres Bild darüber machen, wer eigentlich aus welchen Motivationen und über welchen Weg zum Debattieren kommt und was hilft, das jemand dabei bleibt”, so Elisa. “Natürlich arbeiten da viele mir ihrem Baugefühl. Eine empirische Auswertung aber kann helfen, manche Dinge besser zu verstehen.” 

    Der Fragebogen braucht etwa 10-15 Minuten Zeit zum Ausfüllen, je nach Rolle der Befragten. Clubpräsidenten müssen ein paar Fragen mehr ausfüllen, um gleichzeitig die zweijährige Clubumfrage des VDCH durchzuführen. Für die Umfrage werden VDCH und DDG von der studentischen Statistikbefragung CorrelAidstudentischen Statistikberatung CorrelAid unterstützt. Diese führt Datenanalysen für gemeinnützige Organisationen durch und hat ein fünfköpfiges Projektteam zusammengestellt, das die Umfrage zusammen mit VDCH und DDG konzipiert hat und sie nach der Befragung auch professionell auswertet.

    Hier könnt ihr bis zum 30. Juni an der Umfrage teilnehmen.

    “Ohne die Unterstützung von CorrelAid wäre ein solch umfangreiches Projekt nicht möglich gewesen”, sagt Philipp. CorrelAid arbeite sehr professionell, nicht nur was den Datenschutz angeht. Auch das Engagement der Projektmitglieder habe ihn beeindruckt. “Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Studierende so für andere Organisationen in ein Projekt reinhängen, und das völlig kostenlos. Das hat uns beeindruckt.” 

    Die Umfrage läuft noch bis zum 30. Juni und ist hier zugänglich. Die Ergebnisse werden Anfang September vorliegen. Für Fragen stehen Elisa Schwarz und Philipp Stiel per E-Mail zur Verfügung.

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  • 3 Projekte im Initiativfonds gefördert

    Zum zweiten Mal fördert die DDG über ihren Initiativfonds innovative Projekte der Debattierclubs.  Zusätzlich zu den DDG-Förderlinien für Turniere, Seminare und junge Clubs können mit dem Initiativfonds auch freie Aktivitäten in den Genuss der Unterstützung der Alumni und Förderer kommen. 700€ stehen dazu in diesem Jahr zur Verfügung.

    Im Februar hatte der Vorstand eine Ausschreibung für die Förderung veröffentlicht. Die Projekte sollen einen strukturellen Beitrag zur Entwicklung der Debattierszene leisten und bis zum Sommer umgesetzt sein. Insgesamt hatten sich vier Projekte für die Förderung beworben, von denen drei gefördert werden:

    Bereits im letzten Jahr wurde das Projekt „Think Tank: Evaluation und Entwicklung des Jurierens“ gefördert, das Patrick Ehmann und Daniil Pakomenko initiiert haben. Der Think Tank, der inzwischen unter dem Dach des VDCH durchgeführt wird, ist bei seinen ersten beiden Veranstaltungen auf eine gute Resonanz gestoßen und hat wichtige Debatten angestoßen. Mit einer dritten und abschließenden Veranstaltung sollen diese Debatten nun zu Ergebnissen geformt und zu einem Abschluss gebracht werden. Dazu wird das Projekt ein zweites Mal aus dem Initiativfonds gefördert. Die DDG unterstütz die Serie der Think Tanks so insgesamt mit 1200 Euro.

    Außerdem gefördert wird das Forum Diversität, das Pegah Maham als VDCH-Beirätin für Equity und Fairness im Juni in Zusammenarbeit mit dem Debattierclub Göttingen veranstalten möchte. Das Forum soll Clubvertreter für ein Wochenende mit Seminarcharakter zusammenführen, um darüber nachzudenken, wie das Debattieren in Deutschland vielfältiger werden kann.  Die DDG fördert das Forum als Beitrag zu der seit einiger Zeit aktiv geführten Debatte um ein möglichst vielfältiges Debattieren. Das Forum wird ebenfalls vom Debattierclub Göttingen finanziell unterstützt.

    Schließlich unterstützt die DDG den Debattierclub Magdeburg bei der Ausrichtung der Debattierakademie Magdeburg, die im April stattfinden soll und für fortgeschrittene Einsteiger eine Vorbereitung auf die Regionalmeisterschaften bieten soll. Die Akademie soll für Redner aus ganz Deutschland offen stehen.

    Trotz der knappen Ausschreibungsfrist, so DDG-Vorstandsmitglied Thore Wojke, habe man eine Reihe qualitativ hochwertiger Bewerbungen bekommen: “Das zeigt, dass der DDG-Initiativfonds inzwischen gut in der Szene verankert ist.” Außerdem wies Thore nochmals auf die offenen Förderlinien für junge Clubs/Clubneugründungen und für Debattierseminare hin. In beiden Fördertöpfen sei bis Sommer noch Geld für mehrere Förderungen abrufbar. Wer also Fahrtkosten für einen Trainer oder als junger Club Kosten für Werbemaßnahmen fördern lassen möchte, solle sich die Förderbedingungen nochmals anschauen. 

  • Zum Tod von ZEIT DEBATTEN-Schirmherr Helmut Schmidt

    Zum Tod von ZEIT DEBATTEN-Schirmherr Helmut Schmidt

    „Wer nicht redet, wird nicht gehört“ – Altbundeskanzler Helmut Schmidt war tief mit der Debatte und dem Debattieren verbunden.  In der Überzeugung, selbst einen wichtigen Teil zum politischen Diskurs beitragen zu können, suchte Helmut Schmidt immer wieder den Kontakt zur Öffentlichkeit.
    Helmut Schmidt beließ es nie beim Reden, im Herzen war er immer auch Macher, der sich nach Erkenntnis der richtigen Vorgehensweise auch für diese Überzeugung einsetzte.  Der Charakter Helmut Schmidt verkörperte das Debattieren – nicht nur im Amt vermochte er es, seiner Stimme Gehör zu verschaffen. Wir verlieren in ihm einen Menschen, der bis ins hohe Alter die Ereignisse der Europa- und Weltpolitik so kenntnisreich wie streitbar kommentierte.

    Der Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V. und die Deutsche Debattiergesellschaft e.V. trauern um Helmut Schmidt als einen der letzten großen Staatsmänner. Er war ein Debattant par excellence, dessen Schirmherrschaft für die ZEIT DEBATTEN-Serie seit 2007 uns sehr ehrte. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Lebensgefährtin Ruth Loah und seiner Tochter Susanne Schmidt.

    Wie kaum ein anderer setzte sich Helmut Schmidt über Jahrzehnte hinweg für Demokratie, für Diskurs und für Deutschland ein. Unser Dank und unsere Hochachtung gilt seiner außergewöhnlichen Lebensleistung. In seinem Andenken wollen wir mit dem weitermachen, was uns so sehr mit Helmut Schmidt verbindet: Reden, um gehört zu werden.

    Jan Ehlert, Präsident Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V.
    Jens Henning Fischer, Präsident Deutsche Debattiergesellschaft e.V.

    Gute Nacht, Freunde…
    Ein Nachruf auf Helmut Schmidt von Daniel Sommer

    (c) DIE ZEIT / Werner Bartsch
    (c) DIE ZEIT / Werner Bartsch

    Florian Illies beschrieb die Kindheit der „Generation Golf“ mit den Worten, „wenn man den Fernseher anmachte, sah man immer Helmut Kohl.“ Illies ergänzte, dass man über die Zeit nach 1945 insgesamt nicht viel wusste, außer „dass irgendwann Helmut Kohl kam. Und dass er unendlich lange blieb.“ Das ist lustig, aber natürlich Quatsch.

    Schon immer da gewesen und unendlich lange geblieben ist ein anderer Helmut. Helmut Schmidt, der als Schirmherr der ZEIT DEBATTEN über viele Jahre die Rolle des Patrons des deutschsprachigen Hochschuldebattierens innehatte.

    Von den letzten Vertretern der Generation Käfer bis zu den ersten der Generation New Beetle, begleitet wurden wir alle von Helmut Schmidt. Als Senator der Stadt Hamburg, als Bundeskanzler der Bundesrepublik, als Herausgeber der ZEIT, als weltbürgerlicher „Elder Statesman“ hat er uns die Welt erklärt. Wir schätzten seine Meinung, vor allem weil er verstand, sie deutlich zu erklären. Und wenn es über andere heißt, sie sprächen druckreif, so war das bei Schmidt gerade andersherum. Jeder Leitartikel eine kleine oratio. Man meinte fast, ihn zu hören, wenn er Spalte für Spalte, Buch um Buch das politische Geschehen sezierte.

    Wenn man, wie Christoph Busch es immer angeregt hat, das Debattieren als Boxkampf versteht, dann war Schmidt Muammad Ali. Er konnte austeilen wie kein anderer. Er konnte auch einstecken, musste das aber selten. Was als rednerische Arroganz verstanden werden konnte, war in den meisten Fällen nur seine intellektuelle Überlegenheit. Und wer doch einmal Schmidts Deckung durchbrach, musste immer mit einem Konter rechnen. Auf die Bretter geschickt wurde er selten.

    Der Debattenredner Helmut Schmidt beherrschte die gesamte Klaviatur der Rhetorik. Seine Fixierung auf Daten, Zahlen und Fakten glich er mit lebhaftem, oft aggressivem Stil aus. Ordnung musste sein, Struktur war oberstes Gebot. Die Gestik war, wie seine Stimme, scharf und schneidend. Und wenn seine Mimik, wie zum Beispiel im TV-Duell mit Genscher gegen Strauß und Kohl vor der Bundestagswahl 1980, immer wieder Ablehnung und Missachtung seiner Gegner ausdrückte, so war das mit Sicherheit bewusstes Kalkül, nicht etwa ein Riss in der Fassade norddeutscher Kontenance.

    Pathos war ihm fremd, vielleicht sogar verdächtig, nach der Erfahrung mit den Demagogen der Nazi-Zeit. Vor Polemik ist er indes nie zurückgeschreckt. Ethos hat er sich hart erarbeitet und dann immer wieder eingesetzt. Bevorzugtes Mittel der Überzeugung war für Schmidt aber immer der Logos. Er kam über die „rechten Kriterien“, wie wir das heute in OPD-Sprech nennen. Dabei war Schmidt clever genug, wie der Tübinger Rhetorik-Professor Gerd Ueding in seinem Essay „Nüchterne Leidenschaft. Der Redner Helmut Schmidt“beobachtet, sich nicht auf die inhaltliche Überzeugungskraft seiner Argumente zu verlassen. Er wollte nicht nur Recht haben, sondern auch Recht behalten. Schmidt war ein Meister darin, seine Prämissen und Schlussfolgerungen jeweils so zu präsentieren, als würden sie widerspruchslos an die Haltung seines Publikums anknüpfen. Nicht immer erfolgreich, aber immer rhetorisch brillant konstruiert. Und häufig genug in eine reizvolle Form aus klassischen Figuren, Stilmitteln und Redeschmuck gegossen.

    Schmidts Redekunst war immer von Energie und Dynamik geprägt. Auch noch, als er seine Vorträge in hohem Alter schon längst nicht mehr stehend am Rednerpult sondern sitzend an einem Tisch auf dem Podium hielt, noch später im Rollstuhl. Präzise Formulierungen, elegante Konstruktionen und akzentuierende Betonung zogen weiterhin das Publikum in seinen Bann. Selbst das Hörgerät hat ihn in Debatten nie eingeschränkt. Es schien immer blendend zu funktionieren, auch bei schweren Fragen und scharfem Gegenwind. Nur bei dummen Kommentaren schien es manchmal seinen Dienst zu versagen.

    Wer zu jung ist, um Schmidt noch im Parlament erlebt zu haben, der hat denselben Dogmatiker der Vernunft dann in der Kolumne „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ oder als Stammgast bei Sandra Maischberger kennengelernt. Mentholzigaretten und Cola waren eine in allen Studios gelittene Marotte. Nur das würdelose Ritual des Tabakschnupfens wurde von der Bildregie beflissentlich ausgeblendet. Griff Schmidt in seine Westentasche, wurde flugs auf die Moderatorin geschnitten. Aus dem Off hörte man dann ein verhaltenes Niesen, gefolgt von einem genussvollen Schnäuzen, wenn Schmidt die überflüssige Gletscherprise in das hanseatische Taschentuch entsorgte.

    Es wäre allerdings falsch, den Redner Helmut Schmidt auf den Polemiker im Plenarsaal oder den Kommentator auf der Couch im Fernsehstudio zu reduzieren. Dass er auch die leisen, zarten und gefühlvollen Töne beherrschte, zeigte er beispielsweise im Jahr 2002 bei seiner Rede auf der Trauerfeier für Marion Gräfin Dönhoff im Hamburger Michel. Alle Schroffheit wie weggeblasen, Schmidt fast rührend, so privat, wie ein Hanseat in der Öffentlichkeit eben sein kann. Große Kunst.

    Nun ist Helmut Schmidt im Alter von 96 Jahren in seinem rotgeklinkerten Doppelhaus in Hamburg Langenhorn gestorben. Er bleibt ein Vorbild, dem viele von uns nacheifern, das wir manchmal auch kopieren. Kaum ein Debattant, der nicht schon einmal das Schmidtsche Bonmot zitiert hat, „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!“, egal, ob er Visionäre angreifen oder verteidigen wollte – oder, wie ich es auch schon erlebt habe, um sich über die deutsche Ärzteschaft auszulassen.

    Vergessen wir einen Moment den Ärger über das schlechte Thema der letzten Vorrunde oder den Streit über die Jurorenentscheidung der letzten Finaldebatte. Lasst uns lieber einen Moment innehalten und erinnern wir uns daran, dass das Studium der Rhetorik und die Übung der freien Rede mehr sind als nur Skills oder Spiegelstriche im Lebenslauf. Erinnern wir uns gemeinsam daran, wie Helmut Schmidt als Rhetor vorgelebt hat, dass gutes Reden und gutes Handeln Hand in Hand gehen. Die Lektion des Meisters lehrt uns, dass die Rednerschule nicht nur gute Redner hervorbringen soll, sondern auch gute Menschen, aufgeklärte Bürger und bedächtige Politiker.

    Es bleiben Dank und Abschied. Wir können uns geehrt fühlen, unser Hobby so viele Jahre unter der Schirmherrschaft von „Schmidt Schnauze“ ausgeübt zu haben. In den Worten des Barden: „Gute Nacht, Freunde. Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette…“ – nun ohne Helmut Schmidt. Er fehlt schon jetzt.

  • Unsere Nachwuchspreisträgerin Sabrina Effenberger im Interview

    Auf der DDM in Münster zeichnete die  Deutsche Debattiergesellschaft zum 12. Mal den Nachwuchspreis. Glückliche Preisträgerin ist Sabrina Effenberger von der Rederei Heidelberg. Für die Achte Minute sprach Saskia Höfer mit der frisch gebackenen Preisträgerin. 

    (c) Henrik Mädler
    Sabrina Effenberger auf dem Weg zum Pokal. Foto: Henrik Mädler

    Liebe Sabrina, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! Wie geht es dir nach diesem Wochenende?

    Ich bin ein bisschen erkältet, Peter, mein Teampartner, auch. Das ist vermutlich das Tief nach der DDM. Aber ansonsten sehr gut, danke.

    Du sagtest bei deiner Dankesrede, dass du es ohne dein Team nicht geschafft hättest. Wie hat dein Team dazu beigetragen, dass du diesen Preis bekommen hast?

    Als ich angefangen habe zu debattieren, hat Peter mich immer regelmäßig auf Turniere mitgenommen. So sind wir als Team zusammen gewachsen. Später kam noch Julius dazu. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Es war zwar nicht immer leicht, wenn man auf etwa 20 Turniere im Jahr fährt. Aber die beiden haben es mir nie übel genommen, wenn ich mal gestresst oder übel gelaunt war. Wir hatten immer super viel Spaß.

    Julius war auch einer der Top-Kandidaten für den Nachwuchspreis. Wie war es für euch, dass du gewonnen hast?

    Ich dachte erst, dass Julius ihn bekommen würde, und habe versucht, ihn so gut ich konnte zu unterstützen. Wir haben beide erst kurz vorher erfahren, dass ich doch noch im Gespräch bin und beschlossen, dass wir uns füreinander freuen werden. Egal wie es ausgeht!

    Letztes Jahr warst du bereits im Gespräch, hast aber nicht gewonnen. Hat dich das Ergebnis der DDG überrascht?

    Ich habe gar nicht damit gerechnet, weil man ja eigentlich nicht mehr im Gespräch ist, sobald man den Preis im Vorjahr nicht bekommen hat. Erst eine Stunde vorher ist etwas durchgesickert. Als ich ihn dann bekommen habe, habe ich mich riesig gefreut. Aber ich glaube, dass der Preis in diesem Jahr nicht nur an mich alleine ging, sondern auch an die Rederei im Ganzen, weil wir als Team so gewachsen sind.

    Die DDG wünscht sich vom Nachwuchsredner jemanden, der das Debattieren in einer bestimmten Richtung prägen wird. Die Rederei ist inzwischen auf nahezu jedem Turnier vertreten und gehört zu den Favoriten. Du bist Koordinatorin der Freien Debattierliga, hast bereits ein Turnier chefjuriert und ein anderes gewonnen. Ist da noch Luft nach oben?

    Das ist tatsächlich in der Schwebe. Peter macht bald seinen Master. Auf den Regionalmeisterschaften und der Deutschsprachigen Meisterschaft wird im kommenden Jahr im British Parliamentary Style debattiert, und wer von uns antritt, können wir dann noch entscheiden. Aber in dem gleichen Umfang wie diese Saison wird das nicht mehr möglich sein. Ich werde natürlich weiterhin jurieren, weil mir das auch viel Freude macht, bleibe weiterhin Koordinatorin der Freien Debattierliga und im Vorstand. Der Rest wird sich mit der Zeit finden.

    Verfolgst du bestimmte Ziele?

    Sabrina mit ihrem Team von der Rederei Heidelberg (c) Matthias Carcassona
    Sabrina mit ihrem Team von der Rederei Heidelberg (c) Matthias Carcassona

    Natürlich möchte ich gerne noch besser reden und meinen Club weiter aufbauen. Es wäre schön, wenn wir irgendwann eine zweite Debatte am Abend haben könnten. Ein weiteres Ziel für mich wäre, wenn es an unserer Uni irgendwann nicht mehr heißt: Debattieren ist ein Nerdsport und ist langweilig.

    Als Nachwuchspreisträgerin hast hast du jetzt das Recht auf dem Masters’ Cup zu reden. Wirst du hinfahren?

    Ich würde wirklich gerne. Aber meine Eltern haben mir für diese Zeit einen Urlaub zum Geburtstag geschenkt. Deswegen klappt es leider nicht.

    Warum hast du dich damals für die Rederei entschieden? Heidelberg hat ja zwei Clubs zur Auswahl.

    Ich wusste gar nichts vom Debating Club Heidelberg. Man hat mir sogar damals gesagt, ich sollte doch lieber da hingehen, da wären meine Chancen besser, obwohl ich schon Mitglied der Rederei war. Der Club ist kleiner und das hat mir besser gefallen. Es war eine Bauchentscheidung. Aber ich bereue es nicht.

    Was würdest du jungen Debattanten raten?

    Sucht euch ein Team, mit dem ihr Spaß habt, auch vor und nach der Debatte. Man wird nie gut, wenn man sich in seinem Club und in seinem Team nicht wohl fühlt.

    Hand auf’s Herz: OPD oder BP?

    Die Offene Parlamentarische Debatte! Der Sinn des Redens besteht für mich darin, Menschen mitzureißen, statt ihnen Inhalte zu vermitteln.

    Liebe Sabrina, vielen Dank für das Gespräch!

  • Die DDG fördert neue Ideen: Der Initiativfonds

    Die DDG fördert neue Ideen: Der Initiativfonds

    Zum zweiten Mal fördert die DDG über einen Initiativfonds innovative Projekte der Debattierclubs. Damit Zusätzlich zu den Förderlinien für Turniere, Seminare und junge Clubs können so auch freie Initiativprojekte in den Genuss der Unterstützung der Alumni und Förderer kommen. 1300€ stehen dazu in diesem Jahr zur Verfügung.

    Im Februar hatte der Vorstand eine Ausschreibung für die Förderung veröffentlicht. Die Projekte sollen einen strukturellen Beitrag zur Entwicklung der Debattierszene leisten und bis zum Sommer umgesetzt sein. Insgesamt hatten sich sechs Projekte für die Förderung beworben, von denen vier gefördert werden:

    Mit ihrem Projekt „Think Tank: Evaluation und Entwicklung des Jurierens“ wollen Patrick Ehmann und Daniil Pakhomenko unter dem Dach des VDCH etwa 20 erfahrene und aufstrebende Juroren für ein Wochenende zusammenbringen und über die Situation des Jurierens im deutschsprachigen Raum diskutieren. Am Ende sollen Pläne zur Weiterentwicklung und eine Dokumentation zu Fragen wie den Aufgaben von Chefjuroren, Möglichkeiten und Grenzen des Jurorenfeedbacks und der allgemeinen Förderung der Jurierqualität veröffentlicht werden.

    Mit einem „Rhetorik Slam“ geht der Debattierclub Soapbox Friedrichshafen neue Wege, um Aufmerksamkeit für Rhetorik und das Debattieren in der Stadt Friedrichshafen zu erzeugen. Die an Poetry Slams angelehnte Veranstaltung soll den Auftakt zu einer regelmäßigen Veranstaltungsreihe bilden. Gefördert wird dieses Projekt aufgrund seines innovativen Charakters. Nach dem Event soll eine Best-Practice-Dokumentation für andere Debattierclubs entstehen.

    Mit zwei „Netzwerktreffen“ in Ostdeutschland und im Nordwesten wollen die Berlin Debating Union, die Debattiergesellschaft Jena und die Hanse Debating Union den Austausch Vernetzung der Debattierclubs in den beiden Regionen fördern und zur Stärkung des Debattierens dort beitragen. Dabei sollen strukturelle Schwierigkeiten des Debattierens in Ostdeutschland sowie in Niedersachsen/Ruhrgebiet zur Sprache kommen. Die Clubs in der Region sollen sich vernetzen und gemeinsame Aktionen planen.

    Thore Wojke, im Vorstand der DDG für den Initiativfonds zuständig, freut sich über die hohe Qualität aller eingereichten Anträge und betont: “Von den vier ausgewählten Projektvorschlägen erhoffen wir uns nachhaltige Impulse für das deutschsprachige Debattieren.“

  • Das ist los in der DDG in 2015

    Das ist los in der DDG in 2015

    Das Finale des Masters' Cup im Saal der Wartburg in Eisenach
    Das Finale des Masters’ Cup im Saal der Wartburg in Eisenach

    In 2015 macht die DDG gleich zweimal Urlaub: In Münster im Juni und im August in Wien. In beiden Fällen ist ein großes Debattierturnier der Anlass, aber nicht das alleinige Ziel der Reise.

    Im Juni stellen die Lokalpatrioten Sebastian und Annekathrin Berg für die DDGler ein Urlaubsprogramm parallel zur Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft in Münster zusammen. Im August bietet uns die European Debating Championship in Wien einen Anlass, um die österreichische Bundeshausptstadt Wien neu zu entdecken. Das Programm hier wird von Anja
    Pfeffermann und Gudrun Lux organisiert.

    In beiden Fällen wird es die Möglichkeit geben, das Debattierturnier an einigen Stellen zu besuchen, besonders zum Abendprogramm und zum Finale. Darüber hinaus sind die Urlaubswochenenden aber unabhängig vom Turnier: Denn wir machen Urlaub, wo andere noch reden!

    • URLAUBSWOCHENENDE Münster: 5.-7. Juni 2015
    • URLAUBSWOCHENENDE Wien: 5.-9. August 2015

    Der Masters’ Cup 2015 in Eisenach

    Im September heißt es dann wieder traditionell: Auf zum Masters’ Cup nach Eisenach! Dort findet am Freitag Abend die Mitgliederversammlung der DDG statt, am Samstag tagsüber wird debattiert mit Finale auf der Wartburg und am Samstag Abend gefeiert. Am Sonntag kann das Wochenende mit einem Brunch und einem lokalen Programmpunkt ausklingen.

    Da das Turnier erst am Samstag beginnt, ist eine Anreise bis Freitagnacht möglich. Für die Familienbegleitung wird es ein separates Programm geben. Die ersten Anfragen „mit Kind“ haben wir schon!

    • MASTERS’ CUP Eisenach: 18.-20. Sep. 2015

     

  • Neue Fördermöglichkeiten für das Debattieren

    2014 Thore Förderprogramme
    Thore Wojke stellt die DDG-Förderprogramme vor und sagt dazu: Wir sind alle eine große Familien (c) Team Pretty Pictures

    Der Vorstand der Deutschen Debattiergesellschaft hat beschlossen, in dieser Saison die Förderung für das studentische Debattieren auszubauen. Folgende Fördermöglichkeiten stehen den Clubs offen:

    Förderung von Clubgründungen: 

    1. Wer einen Club gründet oder wiederbelebt, kann 100 Euro Unterstützung für Mitgliederwerbung bekommen.
      – Zu beantragen beim VDCH (Tobias Kube, tobias.kube@vdch.de).
    2. Förderung von Debattiertrainings:
      Wer einen externen Trainer einlädt, um ein Debattiertraining oder Debattierseminar zu veranstalten, kann dazu 100 Euro Unterstützung für die Fahrtkosten bekommen – und Hilfe bei der Trainersuche.
      – Zu beantragen bei der DDG (Thore Wojke, t.wojke@deutsche-debattiergesellschaft.de).
    3. Förderung von FDL-Turnieren:
      Turniere in der FDL werden pauschal mit 100 Euro unterstützt.
      – Zu beantragen bei den FDL-Koordinatoren (Philipp Schmidtke, debattierliga@gmail.com).
    4. Förderung der Achten Minute: 
      Die Achte Minute wird von der DDG als Mit-Herausgeber wie auch schon in den Vorjahren finanziell mit einem eigenen Budget unterstützt.
    5. Förderung für ZEIT DEBATTEN und Regios sowie DDM
      Wie auch in den letzten Jahren wird die DDG einen DDG-Galaabend ausrichten und diesen finanziell kräftig unterstützten. Außerdem erhalten die Ausrichter in der ZEIT-DEBATTEN-Serie organisatorische und finanzielle Unterstützung.
      – Der Ansprechpartner dazu in der DDG: Philipp Stiel (p.stiel@deutsche-debattiergesellschaft.de)
    6. Im Laufe der Saison wird die DDG außerdem einen Initiativfonds ausschreiben, für den Projekte vorgeschlagen werden können.
      – Ansprechpartner dazu in der DDG: Thore Wojke.
    Bei Fragen zu den einzelnen Programmen stehen die oben genannten Personen als Ansprechpartner zur Verfügung. Der Ausbau der Förderprogramme in Höhe von insgesamt 6000 Euro wurde durch eine Beitragserhöhung für die rund 200 Mitglieder möglich, die 2013 beschlossen wurde.
  • Jens Fischer als neuer DDG-Präsident im Interview

    Jens Fischer im Finale des Masters' Cup 2014 (c) Matthias Carcassona
    Jens Fischer im Finale des Masters’ Cup 2014 (c) Matthias Carcassona

    Am vergangenen Wochenende wählte die Mitgliederversammlung der Deutschen Debattiergesellschaft e.V. (DDG) einen neuen Vorstand. An der Spitze des Vereins stehen im kommenden Jahr Jens Henning Fischer, Lukas Haffert,Philipp Stiel und Thore Wojke. Die MV und der neue Vorstand haben eine Neu-Ausrichtung der DDG sowie Strategien und Ideen für das kommende Jahr beschlossen. Jens Henning Fischer, frisch gewählter DDG-Präsidenten, sprach darüber mit dem Debattiermagazin Achte Minute. 

    Achte Minute: Was sind eure Ziele für das kommende Jahr?

    Jens Henning Fischer: Die DDG hat seit ihrer Gründung den Namenszusatz “Alumni und Förderer des Debattierens”. Alumni-Aktivitäten wie der Masters’ Cup funktionieren bereits gut, für das kommende Jahr wollen wir uns vor allem auf den Ausbau der Förderung konzentieren – in enger Abstimmung mit dem VDCH.

    Konnten wir bisher vor allem immateriell fördern, haben wir durch die im vergangenen Jahr beschlossene Beitragordnung endlich deutlich mehr Geld zur Verfügung. So planen wir, insgesamt 6.000 Euro direkt für die Förderung zu verwenden – weitere rund 4.000 Euro fließen aber weiterhin in Alumni-Aktivitäten. Ermöglicht wird das durch einen Beitragssatz von 50 Euro für berufstätige Mitglieder – studentische Mitglieder zahlen 25 Euro Beitrag.

    Jens Fischer während der Moderation des Finales der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft 2014. © DDM Berlin 2014 // Henrik Maedler

    AM: Was konkret wird denn gefördert?

    Jens: Für 2014/2015 haben wir uns besonders zwei Förderschienen vorgenommen: Gründungen und Turniere. Wir unterstützen neu gegründete Debattierclubs ohne starkes Netzwerk mit der Übernahme von Sachkosten bei der Clubgründung und bieten allen VDCH-Clubs Fahrtkostenunterstützung für externe Trainer an. Turniere fördern wir auf verschiedenen Ebenen. Der Deutschsprachigen Debattiermeisterschaft (DDM) gilt unser besonderes Augenmerk: Auf der DDG-Gala begegnen sich Alumni und Aktive, die DDG kürt den Nachwuchspreisträger und wir fördern die DDM mit 1.500 Euro. Den ZEIT DEBATTEN helfen wir mit einem Zuschuss zum Budget und dem Angebot, die Ehrenjury im Finale zu betreuen – das erleichtert die Orga, zudem haben wir fast überall vertrauenswürdige Mitglieder vor Ort. Und als neue Förderung gibt es ab diesem Jahr für jedes Turnier in der Freien Debattierliga (FDL) 100 Euro Förderung. Das ist zwar nicht grandios, hilft aber hoffentlich bei den relativ kleinen FDL-Budgets an den Engstellen.

    AM: Das klingt nach Fördergießkanne…

    Jens: Stimmt, denn wir wollen auf vielen Ebenen unkompliziert helfen. Und wir wollen mit den Clubs direkt in Kontakt kommen – denn wer die DDG kennt und positive Erfahrungen gemacht hat, wird später dort eher Mitglied. Wir werden auf möglichst vielen Turnieren vertreten sein, um mit potenziellen Neumitgliedern ins Gespräch zu kommen. Thore wird beispielsweise am VDCH-Kick-Off am kommenden Wochenende teilnehmen, um die verschiedenen Fördermöglichkeiten vorzustellen.

    AM: Jetzt haben wir viel über Turnierförderung gesprochen. Gibt es auch Unterstützung außerhalb der Wettbewerbe?

    Jens: Auch wenn die Wettbewerbe wichtig sind, so berührt Debattieren doch viele Aspekte von Bildung weit darüber hinaus. Für alle DDG-Mitglieder ist das eine persönliche Lebenserfahrung. Um solche nicht-kompetitiven Aspekte zu fördern, werden wir im Laufe des Jahres einen Initiativfonds ausschreiben, auf den man sich mit konkreten Projektideen bewerben kann. Weil die Einzelheiten noch nicht feststehen, will ich aber jetzt noch nicht mehr darüber verraten.

    Zudem sind Thore und Sarah Andiel für den VDCH jetzt auch für das Train-the-Trainer-Programm verantwortlich, ich war im ersten Jahr “Master-Trainer”. Wir begrüßen dieses Programm sehr und freuen uns, dass es noch über die Open Society Foundations ausfinanziert ist. Sollte sich das künftig ändern, können wir uns auch hier eine Förderung vorstellen.

    AM: Auf der MV wurde an den Vorstand herangetragen, darüber nachzudenken, den Masters’ Cup nicht mehr in Eisenach zu veranstalten. Außerdem kam die Idee auf, ein Urlaubswochenende parallel zu den Europameisterschaften in Wien auszurichten. Wie steht ihr zu diesen Ideen?

    Gruppenbild der Teilnehmer des Masters’ Cup 2014. © Matthias Carcasona

    Jens: Beides sind auf jeden Fall Ansätze, die wir diskutieren werden. Beim Master’ Cup haben wir den Mitgliedern bereits angekündigt, frühestens im kommenden Jahr Änderungsvorschläge zu unterbreiten. Das zentral gelegene Eisenach bietet uns seit Jahren eine grandiose Infrastruktur mit Vorrunden im Martin-Luther-Gymnasium, dem Finale auf der Wartburg und künftig auch wieder mit der Party im Beach. Ob eine größeren Stadt uns bessere Bedinungen bieten kann, bleibt zu sehen, wir freuen uns auf Input von den Mitgliedern. Sollte sich eine Mehrheit für einen anderen Ort aussprechen, wird Lukas sehr traurig sein, keine Wanderung zur Wartburg mehr anbieten zu können.

    Auch beim Urlaubswochenende richten wir uns nach den Interessen unserer Mitglieder – nicht alle waren international aktiv, aber Wien ist so oder so eine tolle Stadt – wir erinnern uns noch ganz beistert an die MDD 2012. Anja Pfeffermann und Gudrun Lux haben bereits Interesse signalisiert, die Organisation zu übernehmen und natürlich ist es etwas besonderes, wenn die Europameisterschaft in einem deutschsprachigen Land ausgerichtet wird. Generell ist unser Konzept, möglichst offen und transparent zu agieren und viele Mitglieder einzubinden. Insofern freue ich mich immer über Rückmeldung, gerne auch zu diesem Interview.

    AM: Das hört sich nach einem ehrgeizigen Programm für das nächste Jahr an…

    Jens: Damit sind wir angetreten. Uns ist es wichtig, dass die DDG als Förderer auftritt und wahrgenommen wird. Debattieren gehört in den gesellschaftlichen Raum und wir wollen es weiter dorthin führen. Deshalb gehen wir unsere Ziele auch langfristig an.

    Dabei wünsche ich euch viel Erfolg. Vielen Dank für das Interview!

    Das Interview führte Anna Mattes von der Achten Minute, wo es auch zuerst veröffentlicht wurde. 

  • Philipp Stiel ist Master der Masters 2014

    MC 2014 Philipp Stiel Rede
    Philipp Stiel im Finale des Masters’ Cup. (c) Matthias Carcassona

    Auf dem diesjährigen Masters’ Cup setzte sich Philipp Stiel zum Thema „Dieses Haus würde deutschen IS-Kämpfern die Wiedereinreise verweigern” als schließender Oppositionsredner gegen Jens Fischer, Patrick Ehmann und Marcus Ewald durch. Das Finale fand im Jägerzimmer des Hotels an der Wartburg statt, nachdem der Sängersaal wegen einer Doppelbelegung nicht zur Verfügung stand.

    Schon zuvor durften sich die Teilnehmer an Neues gewöhnen: Debattiert wurde nur am Samstag, sodass auch die Vielbeschäftigen noch die Chance hatten, bis Freitagnacht anzureisen. Im Tausch fand die Mitgliederversammlung am Freitag statt, sodass am Sonntag Zeit für den gemütlichen Ausklang beim Brunch bestand.

    Debattiert wurde wie gewohnt im Martin-Luther-Gymnasium, unter anderem im Halbfinale zum Thema „Dieses Haus liefert den USA die für die Giftspritze benötigten Substanzen” (über deren Patente europäische Firmen verfügen, so das Factsheet). 20 Redner und 20 Juroren (Traumquote!) hatten zuvor in 5 Vorrunden gestritten – ohne Feedback, schließlich sind die Masters ja Masters! Die Chefjuroren Lukas Haffert und Neu-VDCH-Präsident Tobias Kube boten für die Vorrunden thematisch einiges auf, von der Teilung der Ukraine über Selbstjustiz und den Nutzen neuer politischer Parteien bis hin zu Investitionsschutzabkommen (schwieriges Thema, schwieriges Wort).

    Sogar mit neumodischen Trends mussten sich die Alumni auseinandersetzen: Als Französische Nationalversammlung forderte man Jahr 1793 die Hinrichtung König Ludwigs XVI.. All-time-favourit Organisator Stefan Hübner (dem man mit langem Applaus danke) zog ein positives Fazit: Die Neuerungen seien gut angekommen – und im nächsten Jahr gibt es dann hoffentlich auch wieder eine Disko im trendigen Eisenach.